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Arbeitsrecht im Betrieb

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Mehr Ausbildungsplätze!
Betriebsräte können Einfluss nehmen
 
  

Der Ausbildungsmarkt in Deutschland erinnert an ein überzogenes Girokonto: Er steckt tief in den Miesen. Ist ein Dispo-Kredit einmal in Anspruch genommen, kommt man aus den roten Zahlen nur schwer wieder heraus. So sehr man sich auch bemüht, das Defizit und die Zinsen fressen die Zahlungseingänge sofort wieder auf. Ein Teufelskreis. Mit der Zahl der Ausbildungsplätze ist es ähnlich. Zwar verkünden Politik und Wirtschaft jedes Jahr voller Stolz, dass viele neue Lehrstellen geschaffen wurden. Doch bestenfalls verhindern sie damit, dass die Ausbildungslücke noch größer wird. Denn mit jedem Ausbildungsbeginn strömen nicht nur die aktuellen Schulabgänger auf den Lehrstellenmarkt. Auch diejenigen, die in den Vorjahren leer ausgegangen sind, suchen nach einem Lehrherrn. Dadurch liegt die Zahl der Bewerber immer weit über der Zahl der Ausbildungsplätze.

 

Wie kommt man aus einer solchen Negativspirale heraus? Die Inhaber überzogener Konten setzen nicht selten auf das Prinzip Hoffnung. Eines Tages werde das fehlende Geld schon irgendwie reinkommen, denken sie sich. Ähnlich scheint die Bundesregierung an das Problem des Lehrstellenmangels herangehen zu wollen. Jedenfalls sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich in einem Interview mit der »Neuen Osnabrücker Zeitung«, sie gehe davon aus, dass die anziehende Konjunktur auch die Bereitschaft der Unternehmen zur Ausbildung erhöhen werde. Davon erhofft sie sich eine Lösung des Problems. Zwingende Maßnahmen, wie eine Ausbildungsplatzumlage für Unternehmen, die nicht ausbilden, lehnt sie ab. Doch die Zeit drängt. Wenn der wirtschaftliche Aufschwung tatsächlich eines Tages kommt, wird es für viele zu spät sein. Die Zahl der jungen Menschen, die ohne eine Berufsausbildung heranwachsen, wächst stetig.  

 

Die Gewerkschaften, allen voran der DGB, haben sich entschlossen, diese jungen Menschen nicht länger alleine ihrem Schicksal zu überlassen. Sie haben eine Initiative gestartet, die möglichst allen jungen Menschen zu einem Ausbildungsplatz verhelfen soll. Dabei wurden nicht allein die Vertreter von Wirtschaft und Politik zu einem stärkeren Engagement in Sachen Schaffung von Ausbildungsplätzen aufgerufen. Die Aktion richtet sich auch an die Betriebsräte. Auch sie haben die Möglichkeit, vor Ort in den Unternehmen darauf hinzuwirken, dass die Potentiale zur Schaffung neuer Lehrstellen voll ausgeschöpft werden. In der August-Ausgabe von »Arbeitsrecht im Betrieb« beschreibt die Journalistin Gudrun Giese in ihrem Beitrag »Gewerkschaften sagen Ausbildungsplatzmisere den Kampf an« deren Konzepte zur Lösung des Problems. Der Mangel an Ausbildungsplätzen ist auch Thema des AiB-Kommentars, verfasst von Ingrid Sehrbrock, der Stellvertretenden DGB-Vorsitzenden.

 

Auf unserer Internetseite finden Sie in diesem Monat außerdem exklusiv ein Interview mit dem Arbeitsrechtsprofessor Wolfgang Däubler über die praktischen Auswirkungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.


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