Entgelt

Tarifbeschäftigte kriegen eher Urlaubsgeld

Wo Tarifverträge gelten, gibt es in der Regel mehr Fairness bei der Lohngestaltung. Und: Die Chance, Urlaubsgeld zu erhalten, ist deutlich höher. Das geht aus einer WSI-Befragung hervor.

Rund 15,8 Millionen Beschäftigte in der Privatwirtschaft erhalten Urlaubsgeld. Das sind weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer*innen (44 Prozent) in Deutschland. Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Quote der Urlaubsgeldberechtigten deutlich höher: Mit 73 Prozent erhalten fast drei Viertel der Beschäftigten im Geltungsbereich eines Tarifvertrags die Sonderzahlung. Außerhalb von Tarifverträgen sind es nur 35 Prozent.

Diese Daten ergeben sich aus einer Erhebung des Internetportals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Zwischen Anfang Mai 2025 und Ende Mai 2026 wurden dafür rund 50.000 Personen befragt. 

Die Analyse zeigt laut WSI, dass eine Tarifbindung Arbeitnehmer*innen direkt zugute kommt und Ungleichheiten am Arbeitsmarkt auszugleichen hilft. „Tarifverträge bieten für die Beschäftigten entscheidende Vorteile: Bessere Löhne, geregelte Arbeitszeiten und oft auch einen verbindlichen Anspruch auf Urlaubsgeld“, sagt WSI-Lohnexperte Dr. Malte Lübker. „Wenn der Tarifvertrag fehlt, fehlt meist auch das Urlaubsgeld – und auch die Grundgehälter sind im Durchschnitt niedriger." Dieser Befund sei seit Jahren stabil.

Allerdings gibt es auch innerhalb der Tarifbindung messbare Unterschiede. So erhalten 61 Prozent der Arbeitnehmer*innen in Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten Urlaubsgeld, während nur 50 Prozent der Mitarbeiter*innen in mittleren Betrieben und 37 Prozent in kleineren Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten eine entsprechende Auszahlung bekommen. Grund dafür ist, dass größere Betriebe häufiger tarifgebunden sind als kleinere. 

Zudem ist in Westdeutschland die Tarifbindung höher als in Ostdeutschland, sodass in den alten Bundesländern 46 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld erhalten, während es in den neuen Ländern nur 33 Prozent bekommen. Und auch zwischen den Geschlechtern existieren der nicht-repräsentativen (aber quantitativ sehr umfassenden) Online-Befragung nach Ungleichheiten: Männer (49 Prozent) dürfen sich häufiger über Urlaubsgeld freuen als Frauen (38 Prozent). 

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