Mitbestimmung

Mitbestimmung steigert die Lohnzufriedenheit

Schon die bloße Existenz eines Betriebsrats in Unternehmen scheint dafür zu sorgen, dass Beschäftigte ihre Entlohnung als fairer empfinden. Das nützt auch dem Arbeitgeber, wie ein Forschungsteam der Universität Trier betont. 

Wo es einen Betriebsrat gibt, sind die Beschäftigten zufriedener mit ihrem Einkommen – und das ist auch im Interesse des Arbeitgebers. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, für die  Wissenschaftler*innen der Universität Trier Angaben von mehr als 24.000 Personen ausgewertet haben. Die Daten stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel, einer seit 1984 regelmäßig wiederholten Befragung von Haushalten in Deutschland. 

Den Ergebnissen zufolge bewerten Beschäftigte in mitbestimmten Unternehmen ihre Einkommenszufriedenheit um mehr als 3 Prozent besser als der Durchschnitt. Das klingt nach wenig, ist aber ein statistisch signifikanter Unterschied, betonen die Autor*innen. So liegt die Spanne der Lohnzufriedenheit im Vergleich von Voll- und Teilzeitbeschäftigten beispielsweise auch bei 3 bis 4 Prozent.

Der subjektive Eindruck zählt

Bisherige Forschungsarbeiten im Kontext haben sich meist darauf fokussiert, wie Betriebsräte objektive Kennzahlen wie Löhne und die Produktivität beeinflussen. Das Trio des Instituts für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Union (IAAEU) glaubt, nun erstmals einen subjektiven Effekt der Existenz von Betriebsräten nachgewiesen zu haben. 

#BR26 Deutschlands wichtigstes Betriebsratsforum

Denn Naheliegendes wurde ausgeschlossen: zum Beispiel, dass die höhere Lohnzufriedenheit eigentlich auf die Bindung an Tarifverträge oder auf die geringere Anzahl von Überstunden zurückzuführen wäre – beides geht häufig mit der Existenz von Betriebsräten einher. „Wahrscheinlich nehmen Beschäftigte ihr Arbeitsumfeld positiver wahr und bewerten die Lohngestaltung als fairer, wenn ein Betriebsrat sie vertritt“, sagt die Co-Autorin Dr. Yue Huang.

Die Ergebnisse zeigen den Forscher*innen zufolge, dass betriebliche Institutionen nicht nur greifbare wirtschaftliche Ergebnisse beeinflussen, sondern auch die Wahrnehmungen der Beschäftigten in Bezug auf Gerechtigkeit und Wohlbefinden. Betriebsräte sorgten für eine größere Zufriedenheit im Job und damit für einen längeren Verbleib in der Firma: „Sie machen Arbeitgeber also attraktiver, was in Zeiten des Fachkräftemangels sehr relevant ist“, fasst Studienautor Prof. Dr. Laszlo Goerke zusammen. Und was selbst für jenen Arbeitgeber gilt, denen Betriebsräte eigentlich „ein Dorn im Auge sind“, wie es in der Studienmitteilung heißt.

Autor des Artikels

Autorenbild David Schahinian

David Schahinian

Der freie Journalist David Schahinian arbeitet seit 2010 für Tageszeitungen, Fachverlage, Verbände und Unternehmen. Er berichtet vorwiegend über Technik- und Personalthemen sowie über Betriebsratsarbeit und Arbeitsrecht.

AiB Audio