Studie

Kritik an Wochenarbeitszeit statt Achtstundentag

Die Koalition will den Achtstundentag zugunsten einer Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden abschaffen. Kritik gibt es reihenweise – zuletzt auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin. Auch Studien zeigen, dass das ein Irrweg sein dürfte. 

Verlautbartes Ziel der Vereinbarung im Koalitionsvertrag ist eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. In der Konsequenz würden damit aber auch Arbeitstage mit mehr als zwölf Arbeitsstunden denkbar. Einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zufolge sieht das eine Mehrheit der Beschäftigten kritisch. 

So rechnen 75 Prozent der mehr als 2.000 online befragten Personen damit, dass Arbeitstage über zehn Stunden für sie die Möglichkeit verschlechtern, familiäre oder private Verpflichtungen zu erfüllen. 71,6 Prozent sehen die Gestaltung ihres Alltags erschwert. Des Weiteren berichtet das WSI, dass die wöchentliche Arbeitszeit von Männern und Frauen aktuell bei mehr als 41 beziehungsweise 35 Stunden liegt. Die Wunscharbeitszeit hingegen beläuft sich auf lediglich 37 beziehungsweise 31 Stunden. „Beschäftigte brauchen im Durchschnitt kürzere und nicht längere Arbeitszeiten“, resümiert Yvonne Lott, Leiterin des Referats Geschlechterforschung am WSI. 

Eine weitere Untersuchung des Instituts zeigt darüber hinaus, dass bisher gängige Tarifverträge bereits genügend Flexibilität bieten, um die Bedürfnisse von Unternehmen und Beschäftigten zu erfüllen. Eine Option sind Arbeitszeitkorridore, mit denen Tarifparteien auf Krisen reagieren können. Meist einigen sie sich dabei auf Grenzwerte, etwa von 32 bis 40 Stunden bei der Wochenarbeitszeit oder von zehn Stunden bei der täglichen Höchstarbeitszeit. 

Entsprechend groß ist die Kritik an den Regierungsplänen aus Gewerkschaftsreihen. Die frisch wiedergewählte DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi erklärte, dass die geplante Aufweichung des 8-Stundentags ein Kniefall gegenüber den Arbeitgebern und ein Rückfall in Arbeitszeiten vor 1918 sei. Die Beschäftigten in Deutschland seien überaus fleißig, zuverlässig, kompetent und engagiert und würden dieses Land am Laufen halten, so die Gewerkschafterin. 

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