Arbeitsmarktpolitik

Wenig Förderung für ältere Arbeitslose

Wer älter als 55 und ohne Job ist, profitiert besonders selten von Qualifzierungsmaßnahmen. Darauf weist ein im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erstellter Report hin. Aufgrund des demografischen Wandels wäre das Gegenteil sinnvoll. 

Ältere Erwerbspersonen sind eine Kernzielgruppe von Politik und Wirtschaft beim Versuch, das Fach- und Arbeitskräftepotenzial in Deutschland auszuschöpfen. Und doch bekommen die wenigsten Arbeitslosen in höherem Alter ausreichend Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Das geht aus dem gerade veröffentlichten Altersübergangs-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg hervor, der im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung entstanden ist. Er stützt sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit für die Jahre 2014 bis 2024.

Den Untersuchungen des IAQ-Teams zufolge erhielten Arbeitslose im Alter zwischen 55 und 59 Jahren nur etwa halb so häufig Unterstützung wie jüngere Menschen ohne Job – und Arbeitslose ab 60 nochmals deutlich seltener: Im Jahr 2024 beispielsweise wurden nur 6,5 % von ihnen gefördert im Vergleich zu 13,1 % der 55- bis 59-Jährigen und zu 24,3 Prozent der Arbeitslosen bis 54 Jahre. 

Die Forscher*innen räumen ein, dass dieser Befund „bis zu einem gewissen Punkt“ nachvollziehbar sei: „Die Agenturen und Jobcenter haben beschränkte Förderkapazitäten und müssen priorisieren“, heißt es in dem Report; überdies dürften sich „einige Betroffene selbst eher in Richtung Ruhestand orientieren“. 

Deutlicher Rückgang seit 2019

Allerdings fiel die Förderung den Analysen zufolge nicht nur im Altersvergleich schwach aus, sondern ist bei Menschen ab 55 seit 2019 auch deutlich zurückgegangen, von 10,5 % auf besagte 6,5 % im Jahr 2024. Dieser Rückgang war im Verhältnis noch größer als bei jüngeren Arbeitslosen (31,0 % auf 24,3 %) und fand statt, obwohl die Arbeitslosigkeit unter den Erwerbspersonen 60Plus – anders als bei jüngeren – in diesem Zeitraum anstieg. Dieser Trend könnte laut den Wissenschaftler*innen „auch dadurch bedingt sein, dass die Angebote nicht ausreichend auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Arbeitsloser zugeschnitten sind“.

Dass sich dies in Kürze ändert, ist nicht wahrscheinlich. „Vor dem Hintergrund aktueller politischer Diskussionen, die wieder einen stärkeren Fokus auf unmittelbare Erwerbsintegration und den Vermittlungsvorrang gegenüber Qualifizierung vorsehen, besteht die Gefahr, dass die spezifischen Bedürfnisse älterer Arbeitsloser unzureichend adressiert werden“, heißt es in dem Report. Angesichts des demografischen Wandels und der großen Bedeutung der geburtenstarken Jahrgänge sei hingegen eine stärkere Ausrichtung auf wirksame Qualifizierungsmaßnahmen für Ältere erforderlich.

Die Ergebnisse decken sich in Teilen mit einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2024, die berufliche Neuanfänge in der zweiten Lebenshälfte unter die Lupe nahm. Danach handelt es sich bei einem solchen Neuanfang im Alter in den meisten Fällen nicht um einen selbstbestimmten Schritt. Vielmehr sei ein beruflicher Wechsel in dieser Lebensphase häufig von strukturellen Zwängen, persönlichen Lebensumständen und mangelnden Alternativen geprägt.

Autor des Artikels

Autorenbild David Schahinian

David Schahinian

Der freie Journalist David Schahinian arbeitet seit 2010 für Tageszeitungen, Fachverlage, Verbände und Unternehmen. Er berichtet vorwiegend über Technik- und Personalthemen sowie über Betriebsratsarbeit und Arbeitsrecht.

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