Allerdings fiel die Förderung den Analysen zufolge nicht nur im Altersvergleich schwach aus, sondern ist bei Menschen ab 55 seit 2019 auch deutlich zurückgegangen, von 10,5 % auf besagte 6,5 % im Jahr 2024. Dieser Rückgang war im Verhältnis noch größer als bei jüngeren Arbeitslosen (31,0 % auf 24,3 %) und fand statt, obwohl die Arbeitslosigkeit unter den Erwerbspersonen 60Plus – anders als bei jüngeren – in diesem Zeitraum anstieg. Dieser Trend könnte laut den Wissenschaftler*innen „auch dadurch bedingt sein, dass die Angebote nicht ausreichend auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Arbeitsloser zugeschnitten sind“.
Dass sich dies in Kürze ändert, ist nicht wahrscheinlich. „Vor dem Hintergrund aktueller politischer Diskussionen, die wieder einen stärkeren Fokus auf unmittelbare Erwerbsintegration und den Vermittlungsvorrang gegenüber Qualifizierung vorsehen, besteht die Gefahr, dass die spezifischen Bedürfnisse älterer Arbeitsloser unzureichend adressiert werden“, heißt es in dem Report. Angesichts des demografischen Wandels und der großen Bedeutung der geburtenstarken Jahrgänge sei hingegen eine stärkere Ausrichtung auf wirksame Qualifizierungsmaßnahmen für Ältere erforderlich.
Die Ergebnisse decken sich in Teilen mit einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2024, die berufliche Neuanfänge in der zweiten Lebenshälfte unter die Lupe nahm. Danach handelt es sich bei einem solchen Neuanfang im Alter in den meisten Fällen nicht um einen selbstbestimmten Schritt. Vielmehr sei ein beruflicher Wechsel in dieser Lebensphase häufig von strukturellen Zwängen, persönlichen Lebensumständen und mangelnden Alternativen geprägt.