Berufseintritt mit Hindernissen
Ungleiche Bildungschancen prägen die Lebenswege vieler junger Menschen in Deutschland und erschweren den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. So wird der Einstieg ins Arbeitsleben zum Hürdenlauf.
Ungleiche Bildungschancen prägen die Lebenswege vieler junger Menschen in Deutschland und erschweren den Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. So wird der Einstieg ins Arbeitsleben zum Hürdenlauf.

Entgegen der Erwartung, dass die duale Berufsausbildung Benachteiligungen in der schulischen Bildung ausgleichen kann, zeichnet die aktuelle Datenlage ein anderes Bild: Eine Viertelmillion Jugendliche sind Jahr für Jahr dem sogenannten Übergangssektor zuzurechnen. Dieser umfasst alle, die nach der Schule nicht direkt eine reguläre Ausbildung beginnen, sondern an Maßnahmen teilnehmen, die den späteren Berufseinstieg erleichtern sollen. Betroffen sind vorrangig Jugendliche, die keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss (Erster Schulabschluss) erlangt haben. Denn für sie sind die Ausbildungsberufe auf wenige Möglichkeiten mit niedrigem Prestige begrenzt. Das geht aus einer Studie des deutschen Jugendinstituts hervor.
Auch die Bildungsforscherinnen Prof. Dr. Birgit Reißig und Prof. Dr. Susan Seeber der Georg-August-Universität Göttingen sind von dieser Entwicklung beunruhigt. Der Mittlere Schulabschluss habe sich inzwischen als wichtige Voraussetzung für einen Ausbildungsplatz entwickelt. Daher werde der Anteil der Jugendlichen mit geringerem Bildungsniveau im Übergangssektor immer größer.
Die dort getroffenen Maßnahmen seien zwar förderlich, ein stabiler Übergang in die Berufswelt sei aber dennoch schwer für Betroffene. Hubert Ertl, Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) schlägt daher einen Ausbau der Unterstützungen zwischen Schule und Beruf vor und spricht sich für eine stärkere Bekanntmachung bereits bestehender Fördermöglichkeiten aus.
Nebenjobs, Praktika und ehrenamtliche Tätigkeiten spielen eine weitere wichtige Rolle im Berufseinstieg: Laut bislang unveröffentlichten Auswertungen des Surveys (AID:A) des deutschen Jugendinstituts fällt Jugendlichen, die sich schon während der Schulzeit engagieren, der Einstieg in den Beruf leichter und sie werden schneller angestellt. Gerade junge Erwachsene aus benachteiligten Elternhäusern könnten stärker von solchen Tätigkeiten profitieren. Jedoch nutzen diese Möglichkeiten hauptsächlich Jugendliche aus sozial besser gestellten Familien.
Darüber hinaus können Kommunen und Landkreise Bildungsunterschiede stark beeinflussen. Das geht aus einer Studie des DJI-Projekts „Inklusion in der beruflichen Bildung“ (InBiT) hervor. Vor allem Jugendliche mit Behinderungen sind auf regionale Lösungen für Strukturreformen angewiesen, die Barrieren entgegenwirken sollen. Datenbasiertes Bildungsmanagement und systematisches Monitoring sind der Studie zufolge wichtige Mittel, um Bildungswege zielorientierter zu gestalten und die Abwanderung aus strukturschwachen Regionen einzudämmen.
Pressemitteilung des Deutschen Jugendinstituts vom 29.07.2026.