Ruhiger wird es auch in der Folgezeit nicht. Bürgermeister Wilhelm Kaisen betraut sie mit dem Gesundheitsressort. Wie die SPD Bremen berichtet, verweigert die Bremer Ärzteschaft die Zusammenarbeit mit ihr jedoch weitgehend – weil sie eine Frau und eine Kommunistin ist.
Sie übernimmt den Bereich Flüchtlingswesen, doch auch damit ist im Januar 1948 Schluss: Die US-Amerikaner und die Bremer Demokratische Volkspartei (BDV) lehnen nach den Senatswahlen 1947 eine weitere Kooperation mit Kommunisten ab. Zumindest bleibt sie noch drei Jahre in der Bürgerschaft. Das Urteil Kaisens über sie fällt zwar sprachlich umständlich, aber doch eindeutig aus: „Wenn sich also zum ersten Male in der Geschichte des bremischen Senats unter den Gewählten eine Frau befand, so hat diese Frau die Probe glänzend bestanden.“
Die westdeutsche KPD gerät in der Folge immer stärker unter den Einfluss des Stalinismus, was weder Käthe Popall noch ihrem Mann behagt. Er gibt sein Parteibuch 1952 zurück und kommt damit einem Ausschluss zuvor. Seine Frau Käthe wird aufgefordert, sich von ihm zu trennen oder die Partei zu verlassen. Beides macht sie nicht. Ihr eigenes Ausschlussverfahren scheitert, weil der Widerstand an der Basis zu groß ist. Sie wird lediglich gerügt, bleibt jedoch politisch isoliert. 1956 endet schließlich auch ihre Mitgliedschaft in der KPD, die sie immer als ihre Heimat verstanden hat.
Nun wird es tatsächlich ruhiger um sie. 1967 zieht die Familie nach Ottweiler-Lautenbach ins Saarland. Käthe Popall tritt in die SPD ein, arbeitet in der Arbeiterwohlfahrt und bei den örtlichen Naturfreunden mit. 1982 wird sie im Bremer Rathaus durch den Präsidenten des Senats Hans Koschnick empfangen. Ihr Mann ist ein Jahr zuvor gestorben. Sie selbst kehrt 1984 nach Bremen zurück und stirbt kurze Zeit später an Lungenkrebs.
Bei der Enthüllung einer Gedenktafel 2021 würdigt der Bremer Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte Käthe Popall als „eine starke und mutige Persönlichkeit, die über alle Parteigrenzen hinweg geachtet war“. Sie habe sich auch durch zehn Jahre Zuchthaus und Konzentrationslager nicht beugen lassen, sondern immer konsequent für eine bessere Welt gekämpft. Die Gedenktafel sei ein „Zeichen gegen das Vergessen“. Gleiches gilt für diesen Text.
Tipps zum Vertiefen:
„Käthe Popall – Ein schwieriges politisches Leben. Erzählte Geschichte“ von Peter Alheit und Jörg Wollenberg, Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude (nur noch antiquarisch erhältlich).
Am Donnerstag, 10. September 2026, befasst sich eine szenische Lesung der „bremer shakespeare company“ am Theater am Leibnizplatz mit drei „Karrieren in Bremen nach 1945“, darunter auch jene von Käthe Popall. Weitere Informationen sind hier abrufbar.