Quiet Cracking entsteht in der Regel nicht durch einen einzelnen, zentralen Auslöser. Meist ist es das Ergebnis dauerhafter, hoher Belastung in Kombination mit strukturellen und kulturellen Faktoren (siehe "Häufigste Ursachen" oben). Es tritt nicht selten dort auf, wo hohe Erwartungen auf enge Zeitpläne treffen und gleichzeitig Wertschätzung oder Entwicklungsperspektiven rar sind. Die Mitarbeitenden sehen sich nicht mehr mit ihrem aktuellen Arbeitgeber verbunden.
Darauf deuten zumindest Daten aus den USA hin. So fühlen sich laut der Talent-LMS-Studie 82 Prozent der Befragten in ihrem aktuellen Job sicher, aber nur 62 Prozent glauben an eine Zukunft im Unternehmen. 18 Prozent sehen gar keine Perspektive. Statt sich weiterzuentwickeln, gewinnen sie den Eindruck, auf der Stelle zu treten. Fehlende Anerkennung wirkt dabei wie ein Katalysator: 80 Prozent der zufriedenen Beschäftigten fühlen sich wertgeschätzt. Bei Quiet-Cracking-Betroffenen sinkt dieser Wert auf 26 Prozent.
So lautlos der Rückzug dieser Personen vonstatten geht, er macht sich doch bemerkbar. Auf Dauer lassen auch bei Quiet Cracking Leistung und Engagement nach, die Innovationsbereitschaft sinkt, Fehlerquoten steigen. Wenn einzelne Mitarbeitende leise zerbrechen, geht das also zulasten der Produktivität. Kreativität und Loyalität – ihrer eigenen, aber oft auch der ihres beruflichen Umfelds.
Angesichts seiner Verbreitung kann Quiet Cracking also neben individuellem auch erheblichen betriebs- und volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Wobei das Phänomen am Ende wohl nicht ganz so teuer ist wie Quiet Quitting und innere Kündigungen: Schätzungen des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup zufolge kosten demotivierte Beschäftigte die Weltwirtschaft jährlich hunderte Milliarden US-Dollar.
HInweis: Dies ist der erste von zwei Beiträgen über Quiet Cracking. In den nächsten Tagen lest Ihr hier, wie Betriebsräte Quiet Cracking frühzeitig erkennen und was sich dagegen tun lässt – nicht zuletzt durch die Nutzung von Mitbestimmungsrechten.