Betriebsratssitzung

Aus dem Nähkästchen eines BR-Routiniers

Produktive Gremiumssitzungen entstehen durch klare Strukturen, Disziplin und respektvollen Umgang miteinander. Wie schafft man diese Bedingungen? Fragen an den langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Olve Strelow, heute Bildungsreferent beim DGB Bildungswerk.

 

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Erfolgreiche Sitzungen – wie geht das?

Olve Strelow: Was als Erfolg gilt, ist situationsabhängig: Manchmal ist es ein ruhiger Austausch ohne Streit, manchmal eine beschlossene Betriebsvereinbarung. Wichtig sind klare, idealerweise messbare Ziele, statt direkt ohne Rahmen in Diskussionen einzusteigen. Wo wollen wir am Ende dieser Diskussion stehen? Gelungen ist eine Sitzung für mich dann, wenn alle gut informiert sind, Raum für Rückfragen besteht und jede Person ihren Standpunkt entwickeln und in der Abstimmung ohne negative Stimmung vertreten kann.

In jedem Gremium gibt es Personen, die gerne und viel reden. Wie hast du dafür gesorgt, dass Diskussionen ausgewogen blieben?

Olve Strelow: Ich war selbst oft Vielredner – zum Glück hatten wir Kolleg*innen, die mich notfalls stoppten. Eine Rednerliste ist sehr hilfreich, kombiniert mit einer durchsetzungsstarken Moderation. Die hat bei uns übrigens zirkuliert, die Moderation lag nicht allein beim Vorsitz. Ebenso wichtig: Gezielt Beiträge von stilleren Mitgliedern einzuholen. Das funktioniert besonders gut in kleineren Gremien.

Welche Vereinbarungen habt ihr bezüglich Pünktlichkeit? Und was passiert bei dauerhaft Unpünktlichen?

Olve Strelow: Pünktlichkeit ist eine Frage des Respekts und grundsätzlich Pflicht. Mindestens sollte bei Verspätungen eine Nachricht an den Vorsitz erfolgen. Es gibt Fälle, in denen manche jede Woche „im selben Stau“ stehen – da fragt man sich schon, wie unvorhersehbar das ist. Grundsatz: Nicht warten, sondern die Sitzung pünktlich beginnen.

Wie handhabt ihr die Nutzung von Laptops während der Sitzungen? Ist sie erlaubt, eingeschränkt oder ganz verboten?

Olve Strelow: Laptops sind heute unverzichtbar – fürs Protokoll, gemeinsame Dokumentarbeit, die Echtzeitübersetzung in mehrsprachigen Gremien oder virtuelle Sitzungen. Wichtig: Die Nutzung muss arbeitsbezogen sein. Kein Netflix. 

Wenn sich Gespräche im Kreis drehen – welche Methoden oder Moderationstechniken setzt du ein?

Olve Strelow: Bei wiederkehrenden Schleifen habe ich die Gruppe früher abstimmen lassen, ob die Diskussion fortgesetzt werden soll. Oft wiederholt nur eine Person ihr Argument in neuen Formulierungen, obwohl klar ist, dass es keine Mehrheit findet. Dann kann helfen, das Argument einmal in eigenen Worten zusammenzufassen: „Wir haben verstanden, was du meinst – und sehen es trotzdem anders.“ 

Dies sind Auszüge aus einem Interview mit Olve Strelow, das in Print-Ausgabe 6/2026 der AiB erschienen ist. Zur Komplettfassung bzw. zum Abo geht es hier.

Autorin des Artikels

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Eva-Maria Stoppkotte

Eva-Maria Stoppkotte gestaltet die AiB schon seit dem Jahr 2001 mit, seit 2006 ist sie verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift. Die Volljuristin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht, auch ausgebildete Mediatorin und Coach, war lange Jahre in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit tätig und hat zahlreiche Beiträge zu Arbeitsrechtsthemen sowie zu Mediation veröffentlicht. Im vergangenen Jahr erschien im Bund-Verlag ihr zusammen mit Beate Eberhardt, leitende Redakteurin der Zeitschrift Gute Arbeit, herausgegebenes Buch "Demokratie in der Arbeitswelt - Strategien und Handlungsfelder gegen Rechtsextremismus". Seit August 2018 ist Eva zudem Ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht Köln.

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