Kinderbetreuung & Angehörigenpflege

Familienfreundlichkeit: Betriebe und Beschäftigte sind uneins

Fast 88 Prozent der Betriebe halten Familienfreundlichkeit für wichtig, doch nur 46 Prozent der Beschäftigten erleben ihren Arbeitgeber so. Das geht aus dem „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2026" hervor, den das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt hat

Fast 57 Prozent der Unternehmen bezeichnen sich als „ausgeprägt familienfreundlich" (2023: rund 51 Prozent). Dazu zählt laut Studie unter anderem, dass Führungskräfte die Beschäftigten ermutigen, Angebote, wie beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Eltern-Kind-Zimmer im Betrieb oder Auszeiten auch zu nutzen, und dass die Belegschaft befragt, informiert oder beim Ausgestalten beteiligt wird. 

Von den Beschäftigten sagen allerdings nur 46 Prozent, dass das auf ihren Arbeitgeber zutrifft – 2023 waren es gut 38 Prozent. Der Anstieg erklärt sich laut IW damit, dass Vereinbarkeitsmaßnahmen leichter zu nutzen sind: Führungskräfte und Kollegen akzeptieren sie eher, und zwingende Erreichbarkeit im Beruf spielt seltener eine Rolle. 

Fachkräftesicherung und Pflege: Warum Betriebe investieren

Hauptgrund für das Engagement ist die Fachkräftesicherung: Neun von zehn Unternehmen wollen mit familienfreundlichen Angeboten qualifizierte Beschäftigte halten, acht von zehn sehen darin ein Mittel, neue Mitarbeitende zu gewinnen. Auch die Pflege rückt stärker in den Blick. Rund 80 Prozent der Unternehmen setzen Vereinbarkeitsmaßnahmen gezielt ein, um pflegende Beschäftigte zu unterstützen (Vorgängererhebung: 65 Prozent). In knapp 45 Prozent der Betriebe können Pflegende Auszeiten über die gesetzlichen Vorgaben hinaus nehmen, 2023 waren es 38 Prozent.

Generation Z und Vereinbarkeit: Flexibilität auch ohne Kinder wichtig

Laut den befragten Personalverantwortlichen formulieren jüngere Beschäftigte ihre Ansprüche lauter und setzen sie stärker durch als früher. Orts- und zeitflexibles Arbeiten ist für sie grundlegend - lange bevor Betreuungspflichten anstehen. 

Autorin des Artikels

Bettina Wolf Autorenbild

Bettina Wolf

Bettina Wolf ist seit September 2026 Teil des AIB-Teams. Als langjährige Print- und Online-Redakteurin für Magazine, Tageszeitungen und News-Portale hat sich die auf Familienthemen spezialisierte Journalistin schon früh mit Arbeitswelt und Mitbestimmung befasst – unter anderem als Betriebsrätin, wo sie die Themen der AIB aus erster Hand in der Praxis kennengelernt hat. Nach Stationen in Neuseeland, New York und Weinheim lebt sie heute wieder in Heidelberg. Wenn sie nicht gerade schreibt oder recherchiert, ist die zweifache Mutter und begeisterte Gen-Z-Kennerin auch als Vormund für unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche im Rhein-Neckar-Kreis im Einsatz.

Quelle

Die Angaben beruhen auf einer Unternehmensbefragung des arbeitgebernahen IW und spiegeln damit zu großen Teilen die Selbsteinschätzung der Betriebe wider. Die Sicht der Beschäftigten fällt, wie die Studie selbst zeigt, zurückhaltender aus. 

AiB Audio